Mythos Lebensversicherung: Altersvorsorge ohne Sorgen? Teil 4: Klassische und fondsgebundene Lebensversicherungen

Teil 5: Geldanlage und Vermögensverwaltung

Die Wissenschaft des Investierens

| Torsten Klapdor

„Geben Sie uns Ihr Geld, vielleicht geben wir es Ihnen in 25 Jahren zurück.“ So lassen sich die flotten Werbesprüche der Lebensversicherer auf den Punkt bringen. Die Finanzmarktkrise hat nicht nur bei den Banken tiefrote Spuren in den Bilanzen hinterlassen, auch die Lebensversicherer leiden unter den Auswirkungen. Das seit Jahren sinkende Zinsniveau verschärft die Finanzlage der Unternehmen zunehmend. Lohnt sich ein Neuabschluss in dieser Vorsorgeform noch und was macht man mit den Altverträgen, die scheinbar gut verzinst sind?

Fast 100 Millionen Lebensversicherungsverträge gibt es in Deutschland. In diesem Artikel geht es um die klassische und die fondsgebundene Form der Lebensversicherung. Wie funktioniert diese Form der Geldanlage? Lohnt sich der Abschluss noch? Was mache ich, wenn der Vertrag sich nicht rechnet?

Fall aus der Beratungspraxis

Dr. Heinz Lohm (Name geändert) ist Zahnarzt in Essen. Seit mehr als 20 Jahren zahlt er in eine klassische Lebensversicherung ein, die er bei einem großen Versicherungskonzern abgeschlossen hat. Sie soll ein Standbein seiner Altersvorsorge bilden.

Nun, da der Rententermin näher rückt, beschäftigt er sich eingehender mit den Zahlen auf den jährlichen Mitteilungen. Obwohl er nach wie vor laufende Beiträge einzahlt, sinkt die Prognose des Versicherungskonzerns von Jahr zu Jahr. Rechnete er bei Abschluss der Versicherung noch mit 164.000 EUR, kann er heute nur noch 128.000 EUR erwarten. Damit wird dieses Standbein seiner Altersversicherung ziemlich schwach ausfallen.

Aus der Beratungspraxis der Essener medidentas GmbH ist zu berichten, dass 3,5 % garantierte Rendite meist eine deutlich niedrigere Beitragsrendite bedeuten, da sich diese Garantie nur auf den Sparanteil auswirkt. Und sinkende Überschüsse sind noch das kleinste Problem für die Kunden. Die Wenigsten von ihnen kennen den § 89 des Versicherungsvertragsgesetzes, der vorsieht, dass der Versicherer dem Kunden bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten die komplette Zahlung verweigern kann.

In den vergangenen Jahren sind zur klassischen Lebensversicherung eine Reihe weiterer Lebensversicherungs- arten gekommen. Eine immer größere Rolle spielen dabei fondsgebundene Lebensversicherungen. Wie unterscheiden sich diese Versicherungen? Dazu lohnt sich der nachstehende Blick auf beide Varianten.

Die klassische Lebensversicherug

Funktion
Bei der klassischen Lebensversicherung zahlt der Kunde über einen längeren Zeitraum regelmäßig Beiträge an die Versicherungsgesellschaft. Diese legt das Geld an, um zu einem späteren Zeitpunkt eine Kapitalauszahlung, zum Beispiel für die Altersvorsorge oder Praxisentschuldung, vornehmen zu können.

Anlage/Rendite
Die Versicherungsgesellschaften investieren das Geld zu 80 % in Staatsanleihen, ca. 15 % der Gelder werden in Immobilien angelegt, der Rest in Aktien. Wichtig zu wissen: Die Bundesanleihen der Bundesrepublik Deutschland werfen derzeit 1 bis 1,7 % p.a. Ertrag ab. Bei Altverträgen kann die Rendite durchaus noch 2,5 % betragen.

Kosten
Neben den Abschlusskosten von mindestens 4 % auf die einzuzahlenden Beiträge für den Vertrieb schlagen die laufenden Verwaltungskosten von ca. 12% p.a. auf den Beitrag zu Buche. Das belastet die Kundenerträge enorm.

Vorteil
Altverträge sind meist steuerfrei und haben eine relativ hohe Garantieverzinsung. Der Versicherungsnehmer muss sich nicht selbst um die Geldanlage kümmern.

Nachteil
Vereinfacht gesagt gibt der Kunde dem Versicherer ein Darlehen. Die Anlagen, die mit den Kundengeldern gekauft werden, gehören allerdings dem Versicherungskonzern. Inwieweit dieser die Kunden z.B. an den in den letzten Jahren gestiegenen Immobilienpreisen und Renditen beteiligen muss, ist strittig. Im Insolvenzfall sind die Kundengelder Gesellschaftsvermögen und damit nicht geschützt.

Fondsgebundene Lebensversicherung

Funktion
Auch bei der fondsgebundenen Lebensversicherung zahlt der Kunde über einen längeren Zeitraum regelmäßig Beiträge an die Versicherungsgesellschaft.

Anlage/Rendite
Die Gesellschaft investiert nach den Vorgaben des Kunden in Fonds. Das können sowohl Aktien-, Renten- oder z.B. Immobilienfonds sein. Die zu er- wartende Rendite hängt stark von den gewählten Fonds ab.

Kosten
Auch hier entstehen alle oben genannten Versicherungskosten. Zu diesen

Kosten kommen allerdings noch die Fondskosten (Geldanlagekosten) hinzu; diese betragen nicht selten 2 bis 3,5 % p.a. bezogen auf die Kundengelder.

Vorteil
Altverträge sind meist steuerfrei. Der Versicherungsnehmer muss sich nicht selbst um die Geldanlage kümmern. Wie auch Investmentfonds haben fondsgebundene Versicherungen den großen Vorteil, dass es sich beim Anlagevermögen des Kunden um insolvenzgeschütztes Sondervermögen handelt.

Nachteil
Die Kostenstruktur ist völlig intransparent und für den Laien nicht nachvollziehbar. Häufig beträgt die Gesamtkostenbelastung 50 % und mehr bezogen auf die Kundengelder. Nicht selten sind Hochrechnungen zu Ablaufleistungen unwahr. Zusatzleistungen wie Beitragsgarantien etwa sind zudem enorm teuer und treiben die Kosten für die Versicherungsnehmer weiter in die Höhe.

TIPP
Klassische Lebensversicherungen sind Versorgungszusagen. Diese haben nur Bestand, wenn der Versicherer zukünftig wirtschaftlich in der Lage ist, seine Versprechen einzuhalten. Laien sollten also von einem Fachmann prüfen lassen, welche Kostenbelastung in den Verträgen steckt und mit welcher Ablaufleistung man wirklich planen kann. Die meisten fondsgebundenen Versicherungen erlauben einen kostenfreien Fondstausch einmal jährlich.

Weiterhin gibt es die Möglichkeit, in Exchange Traded Funds (ETFs) zu investieren. Dadurch reduzieren sich die Fondskosten deutlich. Bei Neuabschlüssen sollte unbedingt auf die Kosten geachtet werden. Erste Hinweise dazu liefert das Produktinformationsblatt der Versicherung. Nicht zuletzt sollte der Versicherungsvertrag mit den entsprechenden steuerlichen Vorteilen getrennt von der Geldanlagekonzeption betrachtet werden, beispielsweise einer kostengünstigen Vermögensverwaltung.

Vor einem eventuellen Vertragsabschluss sollte man sich von einem guten Honorarberater unterstützen lassen. Er kannspezielle Produkte empfehlen mit deutlich kostengünstigeren Altersvorsorgelösungen. Bei richtiger Gestaltung sind diese Verträge steuerlich gefördert. Als Faustformel gilt: Mit halbem Aufwand lässt sich oft Gleiches erreichen.

Fragen aus der Beratungspraxis

Die meisten Kunden stellen im Beratungsalltag die gleichen Fragen. Hier gibt es erste Antworten:

Was soll ich mit meinen Altverträgen machen?

Lassen Sie sich beraten – aber nicht von der Versicherungsgesellschaft, bei der Sie den Vertrag geschlossen haben. In der Beratung muss es um die Höhe der Kosten und die wirkliche Ablaufleistung des Vertrages gehen. Guten Rat bekommt man bei unabhängigen Honorarberatern und den Verbraucherzentralen. Erst wenn alle Zahlen offenliegen, können Sie fundiert entscheiden.

Welche Kosten entstehen bei der Kündigung oder Beitragsfreistellung eines Vertrags?

Die entstehenden Kosten stehen in Abhängigkeit zur bisherigen Laufzeit des Vertrages und zu seiner Kostenstruktur. Aber: Es ist nie zu spät, Entscheidungen zu hinterfragen. Viel teurer kann es werden, nicht zu handeln! Auch hier gilt: Erst wenn alle Kosten auf dem Tisch liegen, kann fundiert bewertet und beraten werden.

Welche Kriterien muss ein guter Altersvorsorgevertrag erfüllen?

Gute Altersvorsorgeverträge sind steuerlich gefördert und verursachen nicht mehr als 1,5 % Kosten. Wichtig ist, dass der Kunde Einfluss auf die Geldanlage nehmen kann und dass z.B. flexible Einzahlungen möglich sind. Und nicht oft genug zu sagen: Völlige Kostentransparenz ist das A und O.

Weitere Informationen:
www.medidentas.de
Foto: medidentas

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