Geldanlage, aber sicher! Teil 3: Depot und Investmentfonds

Teil 3: Depot und Investmentfonds

Geldanlage, aber sicher!

| Torsten Klapdor

Sie wollen ein neues Auto kaufen. Was tun Sie als aufgeklärter Verbraucher? Sie studieren Testberichte, besuchen Autohäuser, vereinbaren Probefahrten und vergleichen Preise, Rabatte und den Spritverbrauch. Und das aus gutem Grund. Schließlich wollen Sie ein gutes Produkt zu guten Konditionen.

Warum reichen dann aber für die Anlage von 100.000 EUR ein oder zwei Gespräche mit einem Bankberater? Wo sich doch hier der Vergleich von Qualität und Kosten besonders lohnt?
In Deutschland verwalten die Fondsgesellschaften für ihre circa 50 Millionen Kunden in über 9.000 Fonds ein Vermögen von 2.000 Milliarden EUR. Dieses Geld würde ausreichen, um die Bundesrepublik Deutschland auf einen Schlag zu entschulden. Grund genug, im dritten Teil unserer Serie die Qualität und Kosten von Depots und Investmentfonds zu beleuchten.

Das Depot

Um in Fonds zu investieren, müssen Sie als Anleger zunächst ein Wertpapierdepot eröffnen, also ein Konto, über das Kauf und Verkauf von Wertpapieren abgewickelt werden. Diese Möglichkeit bieten Filial- und Internetbanken. Manche Anbieter werben auch mit kostenlosen Depots. 

Neben der jährlichen Depotgebühr schlagen vor allem die Orderkosten zu Buche. Diese können bei einem Depotvolumen von 150.000 EUR und 20 Ordern pro Jahr zwischen 99,– EUR und 474,– EUR betragen – der Kostenunterschied beträgt also bis zu 480 Prozent.

Investmentfonds

Eine Fondsgesellschaft bündelt die Gelder vieler Anleger, um sie in verschiedenen Anlageklassen, beispielsweise Immobilien, Aktien und Anleihen, anzulegen. Der Anleger zahlt Geld in einen Fonds ein und erhält entsprechend Anteilsscheine. Der Fondsmanager verwaltet das Fondsvermögen, kauft und verkauft Anteile.

Ziel des Fondsmanagers ist es, besser zu sein als eine Geldanlage im jeweiligen Markt ohne Management – also mit seiner Anlagepolitik dafür zu sorgen, dass der Fonds abzüglich aller Kosten mehr Rendite erwirtschaftet als der Markt. Dafür – und nur dafür – sollten Kunden Gebühren bezahlen. Aber welcher Fondsmanager schafft das Jahr für Jahr? Und wie nimmt man aus 9.000 Fonds die Auswahl vor?

Retrospektiv lassen sich gute und schlechte Fonds identifizieren. Nur, wie ist das Ergebnis eines Fonds in der Zukunft? Und wie können die Fondsmanager identifiziert werden, die nach der oben genannten Definition in Zukunft erfolgreich sind?

Die Antwort auf diese Fragen ist einfach – gar nicht. Weder Laien noch Bankberater sind in der Lage, wirtschaftliche Ereignisse und damit Fondsergebnisse zuverlässig vorherzusagen. Das belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien.

Apropos Kosten

Für die Messung und Angabe der Fondskosten hat sich die Fondsindustrie die sogenannte TER (Total Expense Ratio) ausgedacht. Leider ist dieser Name für die Gesamtkostenquote etwas irreführend, da nennenswerte weitere Kostenpositionen nicht berücksichtigt werden (Tabelle 1).

 
Tab.1: Diese Kosten fallen tatsächlich an.

So sind in der TER beispielsweise performanceabhängige Gebühren und Transaktionskosten auf Fondsebene, die durch Käufe oder Verkäufe des Fondsmanagers entstehen, nicht enthalten. Häufig werden Fondsbestände fünf-, sechs- oder gar siebenmal in einem Jahr durch den Fondsmanager komplett verkauft. Gemessen wird diese Quote mit der Kennziffer PTR (Portfolio Turnover Ratio).

Die laufenden Kosten können somit leicht um weitere um 50 bis 100 Prozent p.a. erhöht werden; insgesamt kann so die laufende Vergütung eines Fonds durchaus drei bis vier Prozent p.a. betragen.

In einem Anlagezeitraum von zehn Jahren kommen so schnell 30.000 bis 40.000 EUR bei einer Anlagesumme von 100.000 EUR zusammen. Diese Kosten entstehen letzten Endes auch, damit aus ihnen Provisionsausschüttungen (Innenprovisionen) an die Finanzvertriebe vorgenommen werden können (Tabelle 2).

Tab. 2: Höhere PTR – höhere Kosten.

Die Grundidee einer soliden und für den Kunden ertragreichen Geldanlage besteht darin, die Kosten auf ein Minimum zu reduzieren. Börsengehandelte Fonds (ETFs) bieten eine für den Kunden sehr günstige Möglichkeit der Investition.

Offenlegungspflicht bei Banken und Finanzdienstleistern

Tipp: Banken und Finanzdienstleister sind seit einigen Jahren gesetzlich verpflichtet, über diese Innenprovisionen zu informieren. Der Kunde soll beurteilen können, ob die Anlageempfehlung allein im Kundeninteresse oder im Interesse der Bank erfolgt, um möglichst hohe Rückvergütungen zu erhalten. Teile der Innenprovisionen sind laut Gesetzgeber seit einigen Jahren an die Kunden auszuzahlen. Nicht immer wird dies aber in der Praxis gelebt. Im Rahmen eines Depotchecks können z.B. spezialisierte Honorarberater entsprechende Analysen vornehmen.

Können oder Zufall?

Fachleute gehen davon aus, dass statistisch erst nach über 60 Jahren feststeht, ob ein Fondsmanager zufällig besser war als die Märkte oder ob es Können war. Wie beschrieben schaffen es die wenigsten Fonds, die Märkte nachhaltig zu schlagen. Daher sollte man es erst gar nicht versuchen und auch niemanden dafür bezahlen, diesen Versuch zu unternehmen. Der Versuch, die Zukunft vorherzusagen und diese Vorhersage laufend zu modifizieren, verursacht unnötige Kosten.

Börsengehandelte Fonds (ETFs)

Die Grundidee einer soliden und für den Kunden ertragreichen Geldanlage besteht darin, die Kosten auf ein Minimum zu reduzieren. Börsengehandelte Fonds (ETFs) bieten eine für den Kunden sehr günstige Möglichkeit der Investition. ETFs sind börsengehandelte Fonds, die Märkte oder Indizes abbilden. Ihre Kosten liegen bei circa 0,15 bis 0,20 Prozent p.a. Durch Nachfrage erhalten Sie diese auch bei Ihren Banken. Fragen Sie gezielt nach diesen Anlagemöglichkeiten.

Differenz von Anlage- und Anlegerrenditen

Ziel einer guten Geldanlage ist es, den Anleger möglichst nah an die Anlagerendite zu bringen. Durch das „Verpacken“ der Geldanlage in Finanzprodukte (Fonds, Lebensversicherungen, Depots etc.) mit bekannten und teil- weise unbekannten Kosten, entfernt sich der Anleger von der Anlagerendite. Beträgt die Anlagerendite beispielsweise acht Prozent, bleibt nach Abzug von Kosten, Steuern und der Inflationsrate oftmals lediglich eine Anlegerrendite von drei Prozent über (Abb. 1).

Abb. 1: Marktrendite versus Kundenrendite.

Diese Regeln zur Geldanlage sollten Sie kennen und beachten:

  • Suchen Sie sich wirklich unabhängigen Rat.
  • Halten Sie die Kosten so gering wie möglich und beachten sie die Kosten.
  •  Streuen Sie Ihre Anlagen breit.
  • Nicht der Zeitpunkt der Geldanlage ist entscheidend, sondern der Zeitraum, in dem ihr Geld arbeitet.

(siehe hierzu Abb. 2)

Abb. 2: Nur, wenn die Magie stimmt, wird es etwas mit der Geldanlage.

Woran erkennen Sie eine gute Anlageberatung?

Depot und Fonds sind nur Mittel zum Zweck. Daher sollten das Ziel des Anlegers und die Dauer der Anlage im Mittelpunkt der Beratung stehen. Der Berater klärt über alle Kosten, auch die Transaktionskosten auf. Ein schriftliches Protokoll dokumentiert das Beratungsgespräch.

Und wie ist das mit den Kosten? Grundsätzlich müssen Sie zwischen bekannten und unbekannten Kosten unter scheiden. Die „TER“ (Total Expense Ratio) drückt nach Aussagen der Fondsbranche die Gesamtkosten eines Fonds aus. Sie wissen jetzt – das stimmt nicht.

Weitere Informationen:
www.medidentas.de
Foto: medidentas

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