Vom Suchen und Finden: Fachkräftemangel in der Dentalbranche

Vom Suchen und Finden: Fachkräftemangel in der Dentalbranche

Hohe Fluktuation und immer weniger Bewerber – der Fachkräftemangel ist auch in deutschen Zahnarztpraxen zu spüren. Wo liegen die Gründe für das Verschwinden der Hochqualifizierten und was können Praxen dagegen tun?

Torsten Klapdor, medidentas

Verzweifelt gesucht: Fachpersonal für Zahnarztpraxen

Fachkräftemangel ist ein branchenübergreifendes Problem und zunehmend sehen sich auch Praxisinhaber einigen Hindernissen bei der Mitarbeiterfindung gegenübergestellt. Ist der passende Bewerber einmal gefunden, stellt die erfolgreiche und langfristige Mitarbeiterbindung die nächste Hürde dar.

Viele Praxen beklagen bereits seit Jahren zurückgehende Ausbildungszahlen und eine gleichzeitig steigende Fluktuation der Angestellten. Ein massives Problem, denn es fehlen Fachkräfte für die immer anspruchsvolleren zahnmedizinischen Aufgaben. Langfristig bewirkt der Fachkräftemangel ein nicht zu unterschätzendes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung der Praxis, da vorhandene Mitarbeiter eine deutliche Mehrbelastung tragen müssen. Dies führt wiederum zu einer Abwanderung der Mitarbeiter und einem Kreislauf wirtschaftlicher Einbußen.

 

Ein beliebter Job – aber nur kurzfristig

Die Gründe für den Fachkräftemangel in den Zahnarztpraxen sind vielfältig: Der demografische Wandel, die Konkurrenz innovativer Branchen und die zunehmende Bedeutung persönlicher Entwicklungschancen.

Weitergebildetes Personal wie Dentalhygienikerinnen und Zahnmedizinische Prophylaxe-Assistentinnen sind ebenso schwer zu finden, wie schulisch gut qualifizierte Ausbildungskandidaten. Umworben und mit attraktiven Arbeitsplätzen gelockt, finden sich die Nachwuchstalente oft in großen Unternehmen wieder, die entsprechende Aufstiegschancen versprechen, während die Dentalbranche zähneknirschend zusieht.

Der Beruf der Zahnmedizinischen Fachangestellten schafft es nach wie vor unter die fünf beliebtesten Ausbildungsberufe in Deutschland. Kann da trotzdem von schwieriger Mitarbeiterfindung gesprochen werden? Leider ja, denn es gibt ein Problem: die hohe Zahl der Ausbildungsabbrüche. Jede dritte Auszubildende zur Zahnmedizinischen Fachangestellten bricht ihre Ausbildung innerhalb der Probezeit ab. Social-Media-Umfragen zu diesem Trend ergaben, dass schlechte Bezahlung, unbezahlte Überstunden und geringe Wertschätzung in den meisten Fällen die Auslöser waren.

Niedrige Gehälter und unbezahlte Überstunden

Auch wenn insbesondere im medizinischen Bereich die Diskussionen über die arbeitsunwilligen Generationen Y und Z aufflammen: Eine Topplatzierung gibt es für die Branche auch im Ranking der besonders schlecht bezahlten Berufe. Die Zahlen sind bezeichnend: Rund 25 Prozent der Gehälter liegen unter 23.178 Euro jährlich und das für eine Vollzeitstelle. Realistisch betrachtet ist das eine Summe, von der Angestellte nicht autonom leben können. Selbst in ländlichen Gegenden lässt sich diesbezüglich kein signifikanter Unterschied feststellen. In Anbetracht der oft unbezahlten Überstunden und kaum vorhandenen Zusatzleistungen überrascht es da leider kaum, dass Fachkräfte der Praxis den Rücken kehren und ihr Glück in einem großen Unternehmen suchen. Ein bezeichnendes Bild liefert eine Umfrage der Hochschule RheinMain: 49 Prozent der befragten ZFAs leisten regelmäßig Überstunden, bezahlt bekommen sie allerdings nur die Hälfte der Angestellten. Erfolgreiche Mitarbeiterbindung sieht leider anders aus.

Employer Branding – die Marke Zahnarztpraxis

Die gesamte Branche klagt über den Mangel an qualifizierten und motivierten Mitarbeitern. Bei nüchterner Betrachtung wird leider klar: Die meisten Probleme im Bereich der Mitarbeiterfindung und -bindung sind hausgemacht. Die Bedeutungen der eigenen Außenwirkung ist vielen Praxen durchaus bewusst – zumindest, wenn es um die Neugewinnung von Patienten geht. Gleichsam aktiv muss aber auch der zahnmedizinische Nachwuchs angesprochen werden. Erfolgreiches Recruiting hängt wesentlich von einer strategischen Vermarktung ab. Wie sollen Fachkräfte Sie als Arbeitgeber wahrnehmen, wenn Sie Ihre „Marke“ nicht präsentieren?

Employer Branding ist für Zahnarztpraxen genauso relevant wie für jedes andere mittelständische Unternehmen. Genau an dieser Stelle sind jedoch in den letzten Jahrzehnten in höchstem Maße Chancen liegen geblieben, die maßgeblich zur erfolgreichen Mitarbeiterfindung beitragen.

Warum erfolgreiches Recruiting Offenheit braucht

Der Nachholbedarf macht sich bereits auf der eigenen Website bemerkbar: Nur wenige Praxen nutzen eine Karriere-Rubrik, die Möglichkeit zur Onlinebewerbung fehlt oft gänzlich. Selbst ein gepflegter Webauftritt wird vielfach vernachlässigt. Dabei lohnt sich gerade diese Investition – der erste Eindruck zählt schließlich auch bei Arbeitgebern. Die Zahlen sprechen für sich: Statistisch gesehen werden 30 bis 40 Prozent der Neueinstellungen über die Unternehmenswebsite oder Stellenbörsen im Internet generiert. Gute Gründe, um der Gestaltung des eigenen Internetauftritts etwas mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Standardtexte und Stockfotos erzeugen zwar eine schöne Fassade, Einblicke in den potenziellen neuen Arbeitsplatz bieten sie aber nicht. Der ideale Auftritt Ihrer Praxis erzeugt Sympathie und stellt Sie als Arbeitgeber und Ihr Team vor. Authentizität lautet das Zauberwort, denn nichts behindert den Recruiting-Erfolg mehr als enttäuschte Erwartungen.

Erfolgreiche Mitarbeiterfindung: Bewerbung bei Bewerbern

Durch den eklatanten Fachkräftemangel ist gleichzeitig ein signifikanter Machtwechsel entstanden: Das Selbstbewusstsein qualifizierter Bewerber ist deutlich erstarkt. Fachkräfte suchen sich Ihre Arbeitgeber aus – nicht umgekehrt. Daher gilt es den Bewerbern einen gewissen Mehrwert zu schaffen. Auch wenn es paradox klingt: Im Grunde bewerben Sie sich als guter Arbeitgeber. Der Handlungsbedarf zeigt sich dabei meist schon im Bewerbungsprozess. Aussagekräftige Bewerbungsunterlagen werden gefordert, aber von sich selbst geben die Praxen erstaunlich wenig preis. Ein folgenreicher Fehler, denn die Branche hat sich – wie der Großteil des Arbeitsmarktes – verändert. Recruiting funktioniert heute viel mehr auf Basis eines gegenseitigen Gebens und Nehmens.

Was können Sie Ihren Mitarbeitern bieten?

Stellenanzeigen, die nach einer netten, organisierten und teamfähigen Zahnarzthelferin suchen, mögen sich zwar in der Vergangenheit bewährt haben, auf dem aktuellen Arbeitsmarkt sind sie jedoch schlicht eines: uninteressant. Die Höhe der Vergütung spielt natürlich weiterhin eine Rolle, in der modernen Arbeitswelt geht es Fachkräften aber um viel mehr. Attraktiv wirken Schlagworte wie Benefits, Aufstiegschancen und Work-Life-Balance. Insbesondere Letzteres gewinnt zunehmend an Bedeutung, beginnend bei flexibleren Arbeitszeiten bis hin zur Mitgliedschaft im Sportstudio. Hier gilt es zu überlegen, welche Angebote Sie konkret und realistisch betrachtet umsetzen können, denn die größten Versprechen bringen nichts, wenn sie nicht auch umgesetzt werden. Im Arbeitsalltag sind es dann oft auch einfach die ganz naheliegenden, kleinen Dinge, die eine deutliche Verbesserung des Praxisklimas bewirken können. Sylvia Gabel vom Verband medizinischer Fachberufe e.V. gibt einen simplen und doch sehr wertvollen Rat: „Ein Dankeschön am Freitag hebt die Stimmung ungemein.“

Die hohe Kunst der Mitarbeiterbindung

Hohe Fluktuation resultiert in immer neuen Bewerbungsverfahren und Einarbeitungszeiten – Faktoren, die Zeit und letztlich Geld kosten. Mitarbeiterbindung ist ein kontinuierlicher Prozess, der zu oft vernachlässigt wird.

Und das Wichtigste: Loyalität. Nichts hält ein Team besser und erfolgreicher zusammen als ein Zugehörigkeitsgefühl. Emotionale Bindung und die Identifikation mit der Praxis führen nachweislich zu mehr Produktivität, Servicebereitschaft und Motivation. Qualitäten, die auf einem hart umkämpften Markt unerlässlich sind.

Ein motiviertes Praxisteam bildet langfristig die Basis Ihres wirtschaftlichen Erfolgs, doch wo beginnen? Motivierte Auszubildende finden, Mitarbeiterbindung und der Aufbau eines eigenen Praxisprofils: Herausforderungen, denen Sie sich nicht alleine stellen müssen. Medidentas hat mit decruiting ein maßgeschneidertes Beratungskonzept entwickelt, das Sie zukunftsorientiert beim Recruiting und der Mitarbeiterbindung unterstützt. Unser Team aus Spezialisten und Experten kann auf langjährige Erfahrung in der medizinischen Unternehmens- und Finanzberatung zurückblicken. Im gemeinsamen Gespräch entwickelt wir eine individuelle Strategie für Ihre Praxis – bedürfnisorientiert, flexibel und transparent.

Weitere Informationen:
www.medidentas.de

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