Die Wissenschaft des Investierens Teil 5: Geldanlage und Vermögensverwaltung

Teil 5: Geldanlage und Vermögensverwaltung

Die Wissenschaft des Investierens

| Torsten Klapdor

Wenn es um die Beratung für eine Geldanlage oder Vermögensverwaltung geht, erwarten viele Kunden, dass Berater oder Banker Aktientipps geben können oder Informationen haben, in welche Richtung sich beispielsweise Rohstoffpreise oder eine Währung entwickeln werden. Aus dieser Erwartung der Kunden werden diverse, teilweise exorbitante Kosten der Geldanlage zugunsten von Beratern und Banken abgeleitet.

Grafik: Die Wissenschaft des Investierens.

Die Finanzbranche ist unermüdlich, wenn es um immer wieder dieselbe Botschaft geht: Anlageberatung sei im Wesentlichen das Treffen von Vorhersagen. Aber – um diese Botschaft mal zu korrigieren – letzten Endes bezahlen Sie die Banken dafür, in eine Kristallkugel zu sehen, um die Zukunft vorherzusagen.

Richtig investieren – einfach, aber nicht leicht

In den vergangenen Jahren hat die Wissenschaft fundamentale, neue Erkenntnisse zum Thema Investieren zusammengetragen. Gekrönt wurden diese Forschungen durch die Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises an einen dieser Wissenschaftler, Professor Eugene Fama, im November 2013. Unter anderem seine Erkenntnisse bilden die Grundlage rationalen, überlegten Investierens mit Strategie. Es beruht auf akademischer Kapitalmarktforschung, nicht auf Spekulation.

Deutsche Banken und Vermögensverwalter verweigern sich diesen Erkenntnissen häufig, da mit dieser neuen Anlagestrategie kaum Geld zu verdienen ist.Aber keine Angst: Man muss sich nicht mit hochkomplizierten Forschungsergebnissen beschäftigen, um sein Geld strategisch gut überlegt anzulegen. Die Forschungsergebnisse lassen sich in zehn Regeln zusammenfassen, die Sie nachfolgend finden.

Regel 1: Investieren statt spekulieren

Investieren ist keine Glaubensfrage. Es gibt nicht eine Vielzahl verschiedener Anlagestrategien zur langfristigen und erfolgreichen Geldanlage. Alle seriösen und wissenschaftlichen Untersuchungen haben ergeben, dass es nur eine einzige richtige Methode des Investierens gibt: Langfristiges, passives und diversifiziertes Investieren in den gesamten Wertpapiermarkt.

Regel 2: Wertpapiermärkte können nicht vorhergesagt werden

Niemand kann die Entwicklung der Wirtschaft vorhersehen. Auch Profis können die kurz- und mittelfristige Entwicklung an den Wertpapiermärkten nicht durchgehend korrekt prognostizieren und Sie sollten jedem misstrauen, der vorgibt, die zukünftigen Entwicklungen zu kennen.

Aus diesem Grund haben aktiv gemanagte Fonds keine Existenzberechtigung. Fondsmanager dieser Fonds kennen die Zukunft nicht, verlangen aber für ihre Leistungen (Leistungen = Zukunftsprognosen) enorme Gebühren. Trotzdem schaffen es die meisten Fonds nach Abzug aller Kosten oftmals nicht, den Marktdurchschnitt zu erreichen oder gar zu schlagen. Wenn Anlagestrategien auf kurz- oder mittelfristigen Prognosen beruhen, sollten Sie die Finger davon lassen.

Versuchen Sie nicht, den richtigen Zeitpunkt zum Kauf oder Verkauf zu finden und versuchen Sie auch nicht, die „richtigen“ Wertpapiere zu finden. Beides hat mehr mit Spekulation als mit Investieren zu tun. Die einzig vernünftige Art zu investieren ist das Kaufen und Halten der gesamten Anlageklasse. Hier kann die Wahl zum Beispiel auf sogenannte Exchange Traded Funds (ETF) fallen.

Regel 3: Investieren Sie langfristig

Deshalb muss jede seriöse Investition langfristig ausgelegt sein. Als Faustregel gilt: Das Geld sollte auf jeden Fall zumindest über zwei Wirtschaftszyklen angelegt werden, das sind im Schnitt zehn Jahre. Anleger mit einem kürzeren Investitionshorizont sollten sich auf risikoarme Wertpapiere wie Staats- und Industrieanleihen oder gebundene Spareinlagen beschränken.

Regel 4: Schätzen Sie Ihre Risikotoleranz realistisch ein

Die wichtigste Frage bei der Zusammenstellung eines Portfolios ist das Risiko. Je mehr Risiko Sie eingehen wollen und können, desto höher kann die Rendite sein. Aber sie sollten nur so viel Risiko eingehen, wie Sie verkraften können. Können Sie einen kurzzeitigen Wertverlust des Portfolios von zehn Prozent verkraften? Oder 20, 30, 40 bzw. gar 50 Prozent? Dann sollten Sie davon noch etwas abziehen. Es hat sich nämlich gezeigt, dass Anleger ihre Risikotoleranz generell überschätzen. Und wenn Sie beim nächsten Crash das Handtuch werfen und panisch verkaufen, bringt auch die beste Portfolioplanung nichts.

Wenn Sie die Frage nach Ihrer Risikotoleranz beantwortet haben, ergibt sich das Verhältnis von risikoreichen Wertpapieren, also zum Beispiel Aktien, Rohstoffen und Immobilien zu wertstabilen Wertpapieren, zum Beispiel Staatsanleihen, fast schon von selbst.

Regel 5: Bleiben Sie bei Ihrem Portfolio

Stellen Sie Ihr Portfolio zu Beginn gut überlegt zusammen und bleiben Sie für immer dabei. Da wirtschaftliche Entwicklungen nicht vorausgesagt werden können, sollten Sie nicht versuchen, Ihr Portfolio den Marktentwicklungen anzupassen. Der tägliche Blick in den Börsenteil bringt nichts. Das garantiert nur langfristig eine unterdurchschnittliche Rendite.

Änderungen des Portfolios sollten Sie nur in folgenden Fällen vornehmen: Wenn das Ende Ihres Anlagehorizonts näher rückt, wenn das Risikoprofil Ihres Portfolios nicht mehr Ihrer Situation entspricht oder wenn der letzte Crash gezeigt hat, dass Sie Ihre eigene Risikobereitschaft überschätzt haben.

Regel 6: Kaufen Sie Anleihen und Aktien

Anleihen und Aktien bilden das Rückgrat jedes Portfolios. Deshalb muss ein gut diversifiziertes Portfolio zumindest diese beiden klassischen Anlageklassen beinhalten.

Anleihen und Aktien sind ein bewährtes Paar, weil sich diese Anlageklassen gegengleich bewegen. Deshalb sollten sie auch den Großteil Ihres Portfolios ausmachen.

Andere Anlageklassen sollten Sie nur in geringem Umfang zur weiteren Streuung und Absicherung in Ihr Port- folio aufnehmen.

Regel 7: Halten Sie die Kosten so gering wie möglich

Die Nebenkosten des Investierens werden von privaten Investoren grundsätzlich unterschätzt. Denn wie beim Zinseszinseffekt wirken sich die Kosten mit zunehmender Haltedauer immer stärker auf die Rendite aus – wir können das den „Kostenkosteneffekt“ nennen. Vor allem die wiederkehren- den Verwaltungskosten sind für langfristige, passive Anleger ein kritischer Punkt bei der Portfoliozusammenstellung.

Regel 8: Ein gutes Portfolio ist einfach

Kaufen Sie nur Wertpapiere, die Sie zu 100 Prozent verstehen. Dazu kommt: Unkomplizierte Portfolios sind leichter zusammenzustellen und zu mana- gen.

Zu viele Portfoliobestandteile machen das regelmäßige Wiederherstellen der Portfoliostruktur, das sogenannte Rebalancing, unnötig kompliziert. Um erfolgreich zu investieren genügt es, ungefähr richtig zu liegen.

Regel 9: Investieren Sie immer Ihr ganzes Geld

Ein langfristiges Portfolio muss immer zu 100 Prozent investiert bleiben. Jeder Versuch, mit dem Kauf von Wertpapieren zu warten oder kurzfristig umzuschichten, beruht auf Prognosen und hat mit Investieren nichts zu tun. Ein gutes, passives Portfolio hat nie einen Bargeldanteil, die sogenannte Cash-Quote.

Regel 10: Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten

Gute Anlagen sind wie kleine Arbeiter, die sich unermüdlich für Sie abrackern. Bei Aktien arbeitet das ganze Unternehmen in Ihre Tasche, bei Anleihen bezahlt Sie der Schuldner regelmäßig für das geliehene Geld und Immobilien können vermietet werden.

Und zum Abschluss noch eine Empfehlung von mir: Werden Sie sich über Ihre Ziele klar. Denken Sie darüber nach, was Sie mit Ihrem ersparten Geld erreichen wollen, was Ihnen wirklich wichtig ist. Dann – und erst dann – suchen Sie sich wirklich unabhängigen Rat.

Weitere Informationen:
www.medidentas.de
Foto: 

Teilen Sie diesen Artikel mit Ihren Freunden.

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on xing
XING
Share on email
Email

Schreibe einen Kommentar